Humorzulage für Bonner Beamte?

Arnulf Ratings Satire wurde ernstgenommen

Eine bessere Publicity kann man sich als Kabarettist eigentlich nicht wünschen: In seinem aktuellen Solo »Out of Bonn«, das gegenwärtig bei den Wühlmäusen (bis 31.12.) zu sehen ist, spielt der Berliner Satiriker Arnulf Rating einen Regierungsbeamten, der seine Nöte mit dem Umzug vom Rhein an die Spree hat. Er ist Fachreferent für Ablagewesen und hieß Karl-Heinz Gröbner – bis jetzt.

Denn was Rating nicht wußte: Es gibt tatsächlich einen Bonner Beamten gleichen Nachnamens. Zwar heißt er Gerhard und ist auch kein kleiner Referent, sondern Ministerialrat mit Doktortitel. Trotzdem scheint er sich von Ratings Kunstfigur derart auf den Schlips getreten zu fühlen, daß er dem Kabarettisten jetzt wegen »ehrverletztender Behauptungen« per Anwalt auf den Leib rückte. »Ich wußte überhaupt nichts von einem Ministerialrat Dr. Gröbner«, beteuert Rating. »Die Namensgleichheit ist wirklich reiner Zufall.« Daß seine Bühnenfigur in einer stickigen Beamtenbude Nr. 217, der Ministerialrat in Nr. 317 residiert, habe er auch nicht wissen können.

Seit über einem Jahr wird das Stück bereits bundesweit aufgeführt, mehrfach auch in Bonn. Der Ministerialrat hat das Stück, in dem auch alle anderen Bühnenfiguren reine Fiktion sind, selbst nicht gesehen. Trotzdem: Rating wird seinen Beamten Karl-Heinz Gröbner ab sofort in Karl-Heinz Grübner umtaufen. »Herr Dr. Gröbner hat mir freundlicherweise angeboten, mit seinen Möglichkeiten abzuklären, daß ich mit dem neuen Namen nicht einen anderen deutschen Beamten treffe, der dann Klage gegen mich führt.« Der Kabarettist lehnt dankend ab und fordert nun die Öffentlichkeit auf, ihm mögliche Beamtennamen mitzuteilen, um einen »Gröbner der Woche« ausrufen zu können. »Um alleine mit diesem Verfahren alle Bonner Ministeriumsbedienste hinreichend zu erfassen, wäre allerdings eine Spielzeit von 126000 Wochen erforderlich. Das Programm wäre dann also im Jahre 4421 beendet.«

Angesichts mangelnder satirischer Belastbarkeit rät Rating den Bonnern: »Sie sollten bei ihrem Dienstherren eine Humorzulage beantragen. Besonders, wenn Sie nach Berlin kommen. Sie werden es brauchen können.« usi

 
© Berliner Morgenpost, 26.11.1998 
 

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